

Welchen Wert hat Hunsrücker Mundart?
Eine aktuelle Studie von der Universität Lüttich sagt dazu: „Der Erhalt des Dialekts ist auch eine Frage der Einstellung und des Status, den die Menschen dem Dialekt zugestehen.“ (SandraWeber: Dialekt in Ostbelgien, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Eine Untersuchung zu regionalen und nationalen Unterschieden in der Verbreitung des Dialekts und den Dialektattitüden, verglichen mit der Sprachsituation in Luxemburg.)
Und weiter: „So steigt der Dialektgebrauch in Rheinland-Pfalz, wo sogar die Lehrer vorurteilsfrei und mit positiver Einstellung mit dem Thema Dialekt umgehen, trotz des Einflusses der Medien und erhöhter Mobilität eher, als dass er sinkt.“ – Eine andere wissenschaftliche Beobachtung stellt fest, dass die PISA-Ergebnisse in den Ländern, wo noch viel Mundart gesprochen wird, wesentlich besser ausfallen als in Ländern, wo die Mundart im Schwinden begriffen ist. "
Zumindest die Frage, ob Mundart Bildungshindernis ist, sollte damit beantwortet sein.
Weitere Fragen sind erlaubt: Reicht die Dokumentation von Sprachgebrauch durch wissenschaftliche Institute aus, um die Mundart als lebendige Sprache im Alltag gebrauchsfähig zu halten? Reichen die Wörtersammlungen in den Ortschroniken, das vorhandene Mundartschrifttum und gelegentliche Einschübe in der Presse dazu aus?
Kann man die Geschichte eines Landes, einer Landschaft schreiben ohne die Sprache ihrer Bewohner?
Kann ein Museum, das die Dinge zeigt, jedoch nicht ihre Namen nennt und schon gar nicht erklingen lässt, Geschichte lebendig werden lassen?
Kann man fürTourismus werben, die Schönheiten einer Landschaft preisen – und ihre Sprache verschweigen?
Schließlich: Hat Mundart gar eine sozialpolitische Funktion? Auch das bejaht die Lütticher Studie. Und „Meyne Sprooch, meyne Seele“ dokumentiert, dass Hunsrücksprooch in Brasilien den Menschen Identität gibt, Zusammenhalt stiftet und hilft im Kampf gegen Unterdrückung und Ausbeutung.
Vom Zusammenhalt sind wir hierzulande leider weit entfernt. Dass man aber mit der Mundart den Hunsrück erfolgreich als Wirtschaftsraum präsentieren kann, war imFrühjahr 2011 groß in der Zeitung zu lesen. „Eich sinn en Hunsrücker“ sei ein Renner gewesen.
So ist es an der Zeit, dass wir den alten Komplex ablegen und voller Selbstbewusstsein sagen: Eich kann Pl@tt.